Woanders

Objekttheater für alle ab 6 Jahren

Frühmorgens rattern riesige Müllautos durch die Straßen und verschlucken unseren Abfall. Woanders spucken sie ihn wieder aus. Woanders gelten ganz andere Regeln, leben andere Wesen, passieren andere Dinge. Woanders tanzen die Putzschwämme Tango, Hexen kochen Zauberschleim in der Mülltonne und ein Plastikberg dreht Pirouetten. Woanders ist es magisch und bunt, aber eben auch ein bisschen dreckig, stinkig und unheimlich. Die Bühne erwacht zum Leben mit allerlei kleinen und großen Müllwesen und einem neugierigen Staubsauger. Farbenfrohes Objekttheater, das ohne Worte aber mit viel Musik von einer anderen aufregenden Dimension erzählt.
Mit WOANDERS vermitteln wir unserem Publikum Lust an der Kreativität, an der Anarchie, am Sich-die-Finger-schmutzig-machen. Wir verschaffen einen Eindruck der Möglichkeiten von DIY-Recycling. Wir bieten Raum für Spaß und Unterhaltung aber auch Kontemplation und Konzentration. Wichtige Akteure auf der Bühne sind unter anderen ein selbstfahrender Staubsauger, eine elektrische Zahnbürste als Zauberstab, eine eigenwillige Mülltonne, ein überdimensionierter Spülschwamm, eine Mülltüte auf Abwegen und eine gute Dosis magischer Schleim. Die assoziative Traumreise stellt dabei ungeschriebene Regeln immer wieder in Frage und bietet so Anlass für anschließende Gespräche.

Mai 2024 – FITZ, Stuttgart
Juni 2024 – HochX, München
Juni 2024 – FITZ, Stuttgart

Team:
Regie + Ausstattung: Nina Malotta, Samuel Hof
Spiel + Objekte: Antje Töpfer, Nina Malotta
Musik: Christoph Mäcki Hamann
Licht + Technik: Samuel Hof
Dramaturgie: Antonia Beermann
Produktion: Lisa Ticar
Konstruktion Staubsauger: Christoph Paper Blattmacher
Grafik + Fotos: Markus Niessner
Presse: Kathrin Stärk
Videodokumentaion: Josef Mayerhofer

Woanders ist eine Produktion von O-Team in Kooperation mit dem FITZ, Stuttgart und dem HochX, München. Gefördert durch die Landeshauptstadt Stuttgart, den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und durch den Landesverband freier Tanz- und Theaterschaffender Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Mit freundlicher Unterstützung des Kunstvereins Wagenhalle e.V.

>> Vitae<<

Als Kind habe ich davon geträumt, einen Müllwagen zu fahren. Noch bevor ich Astronaut werden wollte, wollte ich Entsorger werden […] Ich erinnere mich daran, wie ich mich auf dem Gelände des Raumfahrtzentrums in Huntsville, Alabama, herumgetrieben habe, in völliger Ekstase. Aber als ich noch ganz klein war, schaute ich stundenlang aus dem Fenster auf den sich nähernden Muldenkipper, verblüfft über seine Größe und Fähigkeiten, fasziniert von seinen langsamen und freien Bewegungen, jeden Wohnblock auf und abfahrend, und dann hinfort zu einem unbekannten Ort. An dem alles, was der Truck sich einverleibt hatte, wieder ausgespuckt und an einem abgelegenen Ort der Erde sorgsam versteckt wurde. Der Weltraum und die Müllhalden faszinierten mich schon in jungen Jahren gleichermaßen als eine Art mysteriöses „Woanders“. – Brian Thill

Aus unserer Erfahrung ist das Thema Müll für Kinder nicht nur relevant, sondern auch äußerst faszinierend. Wieviel Müll produziere ich? Was passiert damit in dieser verborgenen zweiten Realität? Wieviel neuer Müll ist durch neue Technik in die Welt gekommen? Und wer entscheidet eigentlich, was Müll und Schmutz ist – und womit man dann doch spielen darf? Auch die kindliche Identität im Transformationsprozess des Älterwerdens spiegelt sich im Wegwerfen: Das ehemalige Lieblingsspielzeug ist nicht mehr interessant, aber kann es schon weg?
Die Mülldeponie erscheint in gewissen Hinsichten ebenso außerirdisch wie das Weltall. Es handelt sich in beiden Fällen um imaginäre Räume, die als ein Außerhalb und Gegenpol der vertrauten Welt erscheinen. In der nicht-menschlichen Lebenswelt gibt es keine Abfälle, nur Kreisläufe, Gleichgewichte und Ungleichgewichte. „Human“ komme nicht von „homo“ sondern von „Humus“, sagt Donna Haraway. Wir sind Kompost, nicht Posthuman. „We are beings from the mud not from the sky“. Beim Werden mit und Analysieren von der Welt handelt es sich um eine matschige Angelegenheit, die jede Phantasie von Reinheit, Abgeschlossenheit und Selbstidentität konterkariert. Wir sind überzeugt, dass das kulturell gewachsene Denken in Gegensätzen, Absonderungen und Reinheit nicht hilfreich ist und von Bildern und Denkmustern von Kreisläufen, Gleichgewichten, Verschränkungen, Kooperationen und Symbiosen abgelöst werden sollte.

Nach über 30 Produktionen für Erwachsene wollten wir uns als O-Team mit WOANDERS einer neuen Herausforderung stellen und unser erstes Stück für junges Publikum produzieren. Während der Arbeit an unseren vorhergehenden Stücken dachten wir immer wieder daran, dass einzelne Elemente insbesondere wegen ihres spielerischen und sinnlichen Charakters auch für Kinder sehr interessant sein könnten. Einige dieser Objekte und Ideen haben wir in WOANDERS für junges Publikum angepasst und weiterentwickelt. Ähnliche Gedanken hatten wir bezüglich der Themen: Wenn uns Auswege aus ökologischer Krise und Konsumkapitalismus sowie veränderte Denkweisen am Herzen liegen, würde es Sinn machen auch ein jüngeres Publikum spielerisch in diesen Diskurs mit einzubinden.

komplettes Video: